Francesco Schettino,
ehemals stolzer Kapitän eines Kreuzfahrtschiffes, verantwortlich für Tausende
von Passagieren, jetzt eine tragische Figur der italienischen Seefahrt, steht
dieser Tage vor Gericht.
Er erinnert etwas an einen
„Operettenkapitän“, seine Handlungsweise bei der Havarie eher an einen
Feigling. Bemerkt werden muss, dass er sich zum Zeitpunkt der Havarie mit einem
weiblichen Passagier vergnügte.
Hieß es früher, „Frauen
und Kinder zuerst“, entfernt sich heute zuerst der Kapitän vom Havarieort. Gottseidank
sind diese Art Kapitäne in der Minderheit, die meisten wissen, was zu tun ist
und was sie ihrer Mannschaft und ihren Passagieren schuldig sind.
Früher haben die Kapitäne,
aushaltend bis zum Schluss, auf der Brücke gestanden und nicht wenige sind mit
ihren Schiffen untergegangen, der Ehre wegen.
Gut, die Zeiten sind
vorüber und das verlangt auch niemand, aber dass ein Kapitän als Erster, vor
seiner Besatzung und den Passagieren das sinkende Schiff verlässt, ist neu.
Schettino und seine
Anwälte bleiben jedoch steif bei der Behauptung, er, der Kapitän sei in ein
Rettungsboot gefallen und dann im allgemeinen Durcheinander evakuiert worden und
an Land gegangen.
Ich bin nur ein Segler,
mit nationalen und internationalen Segelscheinen, aber bei all meinem vielen
Segelkursen haben wir über Seemannschaft gelernt, „der Schiffsführer trägt
Verantwortung für Schiff und Mannschaft“, und zwar in dieser Reihenfolge, aber
eben in erster Linie für sein Schiff.
Eigenartig ist nur die
Tatsache, dass Schettino, während die Evakuierung noch lief schon vom
Hafenkapitän, der inzwischen eingetroffen war, aufgefordert wurde, wieder auf
sein Schiff zu gehen und die Evakuierung zu leiten.
Die Ausrede des
Verteidigers, er sei in ein Rettungsboot gefallen, kann also nicht geltend
gemacht werden, da ein Kapitän die höchste Autorität an Bord eines Schiffes ist.
Seine Befehle sind so etwas wie Gesetz. So war es immer und so wird es bleiben,
auch wenn die traurige Figur des Francesco Schettino sich nicht an die Gesetze
der Seemannschaft gehalten hat und sogar jetzt im Prozess nicht bereit ist
Verantwortung zu übernehmen.
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