Montag, 15. April 2013

Wissen die da oben eigentlich noch, was die tun?



Wohlhabende oder „reiche“ Sparer, wie es heißt, sollen ab 2015 für die Schieflage ihrer Bank haften. Man nimmt da die Vorgehensweise bei Zypern als Vorbild.

Zuerst sollen die Aktionäre der Bank, also die Anteilseigner zahlen, als zweites die übrigen Kapitalgeber, also etwa Anleiheinhaber, Inhaber großer Depots, so schlägt Monsieur Barnier vor. Erst, wenn, diese Maßnahmen nicht ausreichen sollten, werden Sparer mit Guthaben über 100.000 Euro herangezogen und ganz ganz zum Schluss, wenn gar nichts mehr geht, kommen die Mittel aus den künftigen nationalen Banken-Abwicklungsfonds, in die alle Institute einzahlen müssen. Der ESM und die Steuerzahler sollen in Zukunft also die letzte Bastion bilden, so hat es der EU Kommissar Barnier vorgeschlagen. 

Haben die da oben noch „alle auf der Reihe“, fragt man sich da ernsthaft? So etwas macht mich wütend und es sollten noch viel mehr Leute wütend werden.
Der Kommissar präsentierte seinen Vorschlag am Freitag den 27 staunenden europäischen Finanzministern, die sich in Dublin trafen. Er warb dafür, das Regelwerk so rasch wie möglich zu verabschieden und schon 2015 in Kraft zu setzen. Bisher war das erst für 2018 vorgesehen. Die Eile sei nötig, um Unsicherheiten unter den Anlegern zu beseitigen, sagte er. Die jüngste Abwicklung und Sanierung der zyprischen Banken unter erstmaliger Beteiligung von Sparern habe das Vertrauen nachhaltig erschüttert.

Das ist ein völlig falsches Signal, wie ich finde, an die Anleger und Sparer. Es sollen bei wirtschaftlichen Schieflagen der Banken, wieder die kleinen Leute die „Kastanien aus dem Feuer“ holen. Hunderttausend Euro sind beileibe keine große Summe in der heutigen Zeit und wurden von manchem Berufstätigen in einem langen, stressigen Arbeitsleben erspart, um beispielsweise Deckungslücken in der Altersrente ausgleichen zu können, so haben es einmal Politiker wie der Ex-Minister  für Arbeit und Sozialordnung Norbert Blüm vorgeschlagen und nun sollen diese Leute Banken retten? Damals wurden auch noch Kapitallebensversicherungen als das Allheilmittel für Deckungslücken gepriesen, hielten aber schließlich auch nicht das, was die Vertreter und die Versicherer versprachen.

Dabei lohnt es sich überhaupt nicht mehr auf Sparkonten zu sparen, bei Zinssätzen um 0,5% für ein Konto mit gesetzlicher Kündigungsfrist, für das man nur bestimmte Freigrenzen bei Abhebungen hat und bei höheren Beträgen, wenn nicht fristgemäß gekündigt wurde, auch noch Vorschusszinsen an die Banke zahlen muss.

Früher wurden die Zinssätze von der Zentralbank festgeschrieben. Die Sollzinsen lagen zwischen dem Diskont- und dem Lombardsatz bei etwa 6% bis 7%, die Habenzinsen für Konten mit gesetzlicher Kündigungsfrist lagen bei etwa 3,0% . Da war die Schere nicht so groß, wie heute und Sparen hat sich noch gelohnt. Aber jetzt, unter dieser latenten neuerlichen Bedrohung des ersparten Kapitals, lohnen sich andere Anlageformen bald auch nicht mehr und man beginnt wieder Guthaben im Sparstrumpf oder unter der Matratze zu sammeln.

Aber anstatt die Vorstände der Banken, deren Aufsichträte und Manager, die ihre Hausaufgaben nicht ordentlich gemacht haben, für ihre Fehler haftbar zu machen und die nicht, wie bisher, wenn es hart auf hart kommt, sie auch  noch mit riesigen Abfindungen beim Ausscheiden zu belohnen, trifft’s mal wieder die Schwächsten der Gesellschaft. Ist das gerecht? Sicher nicht!

Ich finde, dass die Politik und der Gesetzgeber wieder einmal die falschen Signale setzt.  Anstelle diejenigen in den Führungsetagen der großen Banken, die über die Wirtschaftspolitik ihrer Häuser bestimmen, diese festlegen, kontrollieren und überwachen sollten, regresspflichtig zu machen, für die eigenen Fehler und mit ihrem gesamten persönlichen Kapital und Eigentum, sollen wieder einmal andere für deren Fehler haften und der Staat ist fein raus.  So wird Verantwortung von oben nach unten delegiert, ohne dass die da unten ein Mitspracherecht haben.

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