Freitag, 5. April 2013

Was kann Norwegen, was Deutschland nicht kann?



In wenigen Tagen wird der lang erwartete Prozess um die NSU Verbrechen (Nationalsozialistischer Untergrund) in München beginnen. Es wird der zweitgrößte Prozess  in der Geschichte der Bundesrepublik sein und kommt gleich nach dem der RAF in Stuttgart vor Jahrzehnten.

Aber die Justiz in München ist schlecht gerüstet. Der Gerichtssaal ist zu klein, viel zu klein! Ich berichtete ja bereits darüber.
Er hätte allemal ausgereicht für eine Folge der Serie „Das Königlich Bayerische Amtsgericht“ im fiktiven Ort Geisbach, aber für München, der Hauptstadt des Freistaates Bayern, stellvertretend für die Bundesrepublik Deutschland? Ein Armutszeugnis!

Eine heftige Debatte über die Zulassung der Journalisten ist entbrannt, weil nicht genügend Plätze zur Verfügung stehen und ein sehr reges internationales Interesse an dem Prozess besteht.
Kein türkischer Journalist und überhaupt kein ausländischer Journalist haben einen der begehrten 50 Plätze erhalten. Ist das Absicht?
Man kann schon eine Absicht dahinter vermuten, nach den zahlreichen Ermittlungspannen der Behörden.  Da hat sich das Bundeskriminalamt nicht mit anderen Dienststellen ausgetauscht, Beweise wurden nicht beachtet, falsche Spuren wurden gelegt, die Angehörigen ungerechterweise verdächtigt, usw. usw.  Vielleicht will man jetzt hinter verschlossenen Türen diese Peinlichkeiten abtun. Das jedenfalls würde aber dem Ansehen der Justiz in der Bundesrepublik Deutschland enormen Schaden einbringen.

Warum können andere das, was wir nicht vermögen?
Nehmen wir zum Beispiel Norwegen und den Prozess um den Attentäter Breivik in Oslo. Zeitweilig haben 800 (!) in Worten: „Achthundert“ Journalisten gleichzeitig am Prozessgeschehen teilnehmen können, obwohl der Gerichtssaal auch nicht größer war, als der in München.

Sind wir zu einer Bananenrepublik verkommen, in dem wir nicht einmal interessierte Journalisten am Prozessgeschehen teilnehmen lassen ? 
Dabei haben wir doch alles, was das Herz begehrt, kabellose Datenübertragung, Monitore, die Hauswandgröße erreichen und nicht zu vergessen das Internet.
Ein paar andere Räume oder Säle und Stühle müssten sich doch dann auch noch irgendwo in München finden lassen, oder nicht?

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