Neulich war ich einkaufen.
Die Lebensmittelabteilung hatte eine große Auswahl an Single-Malt Whiskys. Es gab
dort Glenmorangie, Lagavulin, Talisker, Laphroig, Glenfiddich, Ardbeg,
Glenlived, Macallan, Oban, Glendronach, Bowmore, Tobermory, Conemare,
Bruifiddich, Glenfarcas, Bunnahabihain und viele andere edle Sorten, mit
Altersangaben von 8 bis 18 Jahren. Alles, was ein Whiskytrinkerherz höher schlagen lässt.
Mir lief das Wasser im
Mund zusammen. Aber ich erinnerte mich an meine letzte Flasche Glenmorangie, die mir meine Frau mitgebracht hatte,
eine Überraschung, allerdings eine Unangenehme. Nichts Weiches, Angenehmes, das
die Kehle hinunter lief, sondern scharf und beißend, wie Scheibenreiniger, wo
der Inhalt, der Falsche letztendlich auch endete, im Scheibenwaschbehälter
meines Autos. Ich glaube, ich war in diesem Augenblick der Fahrer mit dem exklusivsten
Scheibenwaschzusatz in Berlin, vielleicht auch in Europa. Eine Verschwendung,
möglich, aber ich hab das Zeug einfach nicht herunter bekommen, noch nicht einmal mit Cola. Es
schmeckte scheußlich, wie „Knüppel uff’n Kopp“!
Ich habe den Whisky mehrfach
probiert, aber es änderte sich nichts - er blieb scharf und beißend. Daraufhin habe ich die
Brennerei in Schottland angeschrieben. Dank Internet war die Seite schnell
ermittelt.
Glenmorangie war lange der
bevorzugte Stoff beim Segeln im BBYC, einem ehemals britischen Segelclub, wo wir nach
mehr oder minder erfolgreichen Regatten uns einen oder auch mehrere Whiskys
genehmigt haben, aber ich hatte ihn anders in Erinnerung – ganz anders! Weicher, aromatischer.
Die Antwort, die ich aus
der Brennerei in Schottland erhielt war einfach und lapidar. „Whisky wird nicht mehr in eichenen Sherry- oder Portweinfässern gelagert, so wie früher, sondern er wird in Tanks gelagert.“ Der Grund, es gibt nicht
genügend Eichenfässer. Aber kann ein Whisky in Tanks überhaupt über Jahre reifen? War das also der
Grund, warum mein Whisky kein weiches, samtenes Bouquet entfaltete, mit dem Duft schottischer Wiesen und salziger Meeresluft, sondern im
Rachen brannte, wie ein Putzmittel, ein einfacher Etikettenschwindel?
Die Antwort war für mich
nicht befriedigend, bei Preisen zwischen 30 und weit über 200 Euro, je nach
Alter und Marke und dann keine Eichenfässer, so wie man das im Fernsehen immer
sieht, in Filmen über Schottland und sein Nationalgetränk?
Aber was ist mit der oder
dem Zuckerkolör, einem gesüßten Farbstoff, der dem Whisky seine goldgelbe oder
hellbraune Farbe verleiht? Achtet mal darauf. Es steht meist auf der Rückseite
und ist noch kleiner, als das Kleingedruckte, so als schäme man sich.
Zuckerkulör oder Zuckercouleur ist ein synthetischer Farbstoff, der die europäische Zulassungsnummer E 150a für Lebensmittelzusatzstoffe trägt.
Ich frage mich, ob es
beim Whisky nicht auch so etwas wie ein Reinheitsgebot gibt, ähnlich wie bei
den deutschen Bieren? Schließlich galt Whisky im Mittelalter in Schottland als
Medizin und wurde bei allen möglichen Krankheiten verabreicht. Sogar während der Prohibition in den USA, erhielt man einige schottische Whiskysorten trotz Alkoholverbotes in Apotheken auf Rezept.
Es gibt aber noch einen anderen Aspekt. Vielleicht hängt das Ganze auch
mit dem politischen Willen Schottlands zusammen, sich von England zu lösen und unabhängig
zu werden. Das wäre eine Erklärung. Früher hat man nur den
Mittelbrand des Whiskys verwendet, vielleicht verwendet man jetzt alles? Das ist
ja auch eine ökonomische Frage. Das, was früher weggeschüttet wurde, wird jetzt
vielleicht auch auf Flaschen gezogen, um die steigende Nachfrage zu
befriedigen. Zumindest stärkt es so die schottische Volkswirtschaft.
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