Dienstag, 2. April 2013

Was haben die Schotten nur mit dem Whisky gemacht?




Neulich war ich einkaufen. Die Lebensmittelabteilung hatte eine große Auswahl an Single-Malt Whiskys. Es gab dort Glenmorangie, Lagavulin, Talisker, Laphroig, Glenfiddich, Ardbeg, Glenlived, Macallan, Oban, Glendronach, Bowmore, Tobermory, Conemare, Bruifiddich, Glenfarcas, Bunnahabihain und viele andere edle Sorten, mit Altersangaben von 8 bis 18 Jahren. Alles, was ein Whiskytrinkerherz höher schlagen lässt.

Mir lief das Wasser im Mund zusammen.  Aber ich erinnerte mich an meine letzte Flasche Glenmorangie, die mir meine Frau mitgebracht hatte, eine Überraschung, allerdings eine Unangenehme. Nichts Weiches, Angenehmes, das die Kehle hinunter lief, sondern scharf und beißend, wie Scheibenreiniger, wo der Inhalt, der Falsche letztendlich auch endete, im Scheibenwaschbehälter meines Autos. Ich glaube, ich war in diesem Augenblick der Fahrer mit dem exklusivsten Scheibenwaschzusatz in Berlin, vielleicht auch in Europa. Eine Verschwendung, möglich, aber ich hab das Zeug einfach nicht herunter bekommen, noch nicht einmal mit Cola. Es schmeckte scheußlich, wie „Knüppel uff’n Kopp“!

Ich habe den Whisky mehrfach probiert, aber es änderte sich nichts - er blieb scharf und beißend.  Daraufhin habe ich die Brennerei in Schottland angeschrieben. Dank Internet war die Seite schnell ermittelt.
Glenmorangie war lange der bevorzugte Stoff beim Segeln im BBYC, einem ehemals britischen Segelclub, wo wir nach mehr oder minder erfolgreichen Regatten uns einen oder auch mehrere Whiskys genehmigt haben, aber ich hatte ihn anders in Erinnerung – ganz anders! Weicher, aromatischer.

Die Antwort, die ich aus der Brennerei in Schottland erhielt war einfach und lapidar. „Whisky wird nicht mehr in eichenen Sherry- oder Portweinfässern gelagert, so wie früher, sondern er wird in Tanks gelagert.“ Der Grund, es gibt nicht genügend Eichenfässer. Aber kann ein Whisky in Tanks überhaupt über Jahre reifen? War das also der Grund, warum mein Whisky kein weiches, samtenes Bouquet entfaltete, mit dem Duft schottischer Wiesen und salziger Meeresluft, sondern im Rachen brannte, wie ein Putzmittel, ein einfacher Etikettenschwindel?

Die Antwort war für mich nicht befriedigend, bei Preisen zwischen 30 und weit über 200 Euro, je nach Alter und Marke und dann keine Eichenfässer, so wie man das im Fernsehen immer sieht, in Filmen über Schottland und sein Nationalgetränk?

Aber was ist mit der oder dem Zuckerkolör, einem gesüßten Farbstoff, der dem Whisky seine goldgelbe oder hellbraune Farbe verleiht? Achtet mal darauf. Es steht meist auf der Rückseite und ist noch kleiner, als das Kleingedruckte, so als schäme man sich.
Zuckerkulör oder Zuckercouleur ist ein synthetischer Farbstoff, der die europäische Zulassungsnummer E 150a für Lebensmittelzusatzstoffe trägt.  
Ich frage mich, ob es beim Whisky nicht auch so etwas wie ein Reinheitsgebot gibt, ähnlich wie bei den deutschen Bieren? Schließlich galt Whisky im Mittelalter in Schottland als Medizin und wurde bei allen möglichen Krankheiten verabreicht. Sogar während der Prohibition in den USA, erhielt  man einige schottische Whiskysorten trotz Alkoholverbotes in Apotheken auf Rezept.

Es gibt aber noch einen anderen Aspekt. Vielleicht hängt das Ganze auch mit dem politischen Willen Schottlands zusammen, sich von England zu lösen und unabhängig zu werden. Das wäre eine Erklärung. Früher hat man nur den Mittelbrand des Whiskys verwendet, vielleicht verwendet man jetzt alles? Das ist ja auch eine ökonomische Frage. Das, was früher weggeschüttet wurde, wird jetzt vielleicht auch auf Flaschen gezogen, um die steigende Nachfrage zu befriedigen. Zumindest stärkt es so die schottische Volkswirtschaft.

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