Vor ein paar Tagen war
ich in dem großen blau-gelben schwedischen Möbelhaus, dass sich überall
pestartig ausbreitet und dessen Namen ich nicht weitergebe, um mich nicht der
Schleichwerbung schuldig zu machen. Ich benötigte ein paar Schrauben, die nach
der Renovierung verloren gegangen sind und die für Kunden in großer Anzahl
vorrätig gehalten werden. Außerdem wollte ich nach einem Regalsystem für meine
Ordner sehen - die zu verwaltenden und aufzubewahrenden Papierberge wachsen
stetig.
Der Weg durch die
Wohnlandschaften glich einer Fahrt mit der Geisterbahn, nicht dass die Besucher
so schrecklich gewesen wären, nein, weil der Weg so verschlungen war, wie in
einer Geisterbahn. Er führte mich vorbei an Förhöja, Bäven, Billy, Kelig Goda,
Beddinge, Lyksele und Vika Hyttan. Auch Gäspa und Leksvik ließ ich links
liegen.
Schrilles Kreischen
drang an mein Ohr. Wird hier in der Ausstellung gesägt? Konnte ich mir
eigentlich nicht vorstellen. Ich lief langsam weiter, nahm zwischendurch auf
einem Sofa Platz, dass als ausgesprochen Platz sparend angepriesen wurde – man
saß auch dementsprechend. Das Kreischen wurde lauter. Es wurde immer von
ruhigen Stellen, fast stillen Phasen unterbrochen. Ich stand auf und lief die
gekennzeichneten Wege weiter. Schnell war die Schallquelle lokalisiert. Ein
kleines Mädchen hatte sich an einer Schranktür geklemmt. Die Eltern waren nicht
zu sehen, niemand war da, der die Kleine
in ihrem Schmerz tröstete, sie auf den Arm nahm, ihr sanft über das Haar
strich, um ihr zu versichern, dass alles gar nicht so schlimm sei. Eine ältere
Kundin übernahm den Part. Nachdem recht schnell Ruhe eingetreten war,
erschienen auch die Eltern, die sich offensichtlich an der Lärmquelle
orientiert hatten, wie Fledermäuse durch Ultraschall an Insekten. Die Mutter
nahm das kleine Mädchen auf den Arm und das Gekreische begann erneut. Die
ältere Frau strich dem Kind noch einmal über die Haare und setzte lächelnd
ihren Weg fort.
Ich lief um die nächste
Ecke, immer noch auf der Suche nach einem Regal, als mich ein kleiner Junge
fast umrannte. Er war gekleidet wie ein Wikinger, mit Schwert und Helm und
hörte auf den Namen Malte. Es passte irgendwie, ein schwedisches Möbelhaus und
ein Wikinger.
Ihm folgte, ebenfalls
schreiend, ein anderer kleiner Junge, der eher aussah wie ein Pirat. Auf jeden
Fall, bewaffnet war er auch. Der kleine Pirat hieß Lennard. Lennnard und Malte
jagten sich kreischend durch die Gänge, ohne Rücksicht auf die anderen Besucher
zu nehmen. Der Showdown begann auf der Kreuzung von 2 Wegen. Malte und Lennard
lieferten sich einen heißen Kampf. Die Holzschwerter schlugen krachend
aufeinander, verbissene Gesichter starrten sich an. Lennard floh hinter eine
Kommode. Krachend schlug Maltes Holzschwert auf die obere Kante des
Möbelstückes.
„Aber Malte“, erscholl
mahnend die Stimme seiner Mutter, die sich gerade beraten ließ. Der Berater
schob ärgerlich seine Brille hoch, sah zu den beiden Kämpfern hinüber und die
Mutter an, die wieder zur Tagesordnung überging und im Katalog blätterte.
Es krachte erneut. Eine
CD-Säule fiel krachend um.
„Lennard, Schätzchen,
was machst du?“ ertönte die Mutter Lennards aus einer anderen Ecke.
Lennard und Malte waren
nicht zu bremsen. Wild mit den Schwertern schwingend jagten sie durch die engen
Gänge.
„Rumms“, erneut fiel ein
Möbelstück in der Nähe der Kämpfenden um.
Der Berater sah missbilligend Maltes Mutter an.
„Aber Malte!“, kam die
schwache Ermahnung von ihr, ehe sie sich wieder konzentriert der Beratung
widmete.
Holz splittert – nicht
etwa ein Schwert, sondern ein Wandregal musste diesmal daran glauben.
Der Berater unterbrach
die Beratung und sah Maltes Mutter, die vor ihm stand, an.
„Wollen sie nicht mal
Ihrem Sohn sagen, dass dieses hier kein Spielplatz ist. Unser Spielplatz ist im
Untergeschoss.“
Maltes Mutter sah den
Berater giftig an. Wenn Blicke töten könnten, hätte der Berater tot umfallen
müssen.
„Ich dachte dies ist ein
kinderfreundliches Möbelhaus“, entgegnete sie spitz.
„Das schon“, erwiderte
der Berater, „aber Defizite der elterlichen Erziehung können wir nicht auch
noch beseitigen.“
Maltes Mutter warf den
Kopf in den Nacken und stemmte die Hände in die Hüften, ihre Nasenflügel
bebten.
„Jetzt nimmt sie gleich
den Berater in den Schwitzkasten“, dachte ich.
„Malte, mein Baby, komm
wir gehen!“ Sie strich dem Wikinger über die verschwitzten Wangen und warf dem
Berater noch einen giftigen Blick zu. Dann nahm sie Malte an die Hand und zog
ihn hinter sich her.
„Mama ich bin kein Baby,
ich bin ein Wikinger!“ Malte protestierte lautstark. Er fühlte sich Lennard
gegenüber benachteiligt. Lennard stand schwer atmend, mit knallroten Ohren
mitten im Gang und sah Malte nach. Es
wurde schlagartig ruhig.
Ich schlenderte weiter,
immer noch auf der Suche nach einem passenden Regal für meine Ordner und
gelangte zum Kassenbereich.
Es duftete herrlich nach
Hot Dogs, den heißen Hunden des Möbelhauses und
ich belohnte mich mit einem Hot Dog, mit Senf, Ketchup und Zwiebeln und
allem, was dazu gehörte.
Ein passendes Regal
hatte ich nicht gefunden, dafür war ich satt, zufrieden und hatte Wikinger und
Piraten kämpfen sehen.
Was für ein Tag!
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