Montag, 3. Dezember 2012

Weihnachtszeit, Zeit der Wunder



Soll noch jemand sagen, es geschähen keine Wunder mehr. Gerade in der Vorweihnachtszeit geschehen die meisten Wunder, wie ich berichten kann, man muss nur aufmerksam durch die Gegend laufen und beobachten.
Neulich war ich auf dem Weg in die Stadt,  zu einem der zahlreichen Weihnachtsmärkte. Ich lief durch festlich geschmückte Straßen, mit ihren elektrisch funkelnden Sternen, Weihnachtsbäumen und elektrisch beleuchteten Renntierschlitten.
Von weitem schon konnte man die Musik der Karussells hören, während ich an einem Heer von Ausgestoßenen, von der Gesellschaft Benachteiligten vorbeilief, die Vorbeilaufenden ihre dünnen, knochigen Hände, Hilfe suchend entgegenstreckten. Einbeinige, Krüppel, eine Mutter mit einem Kleinkind auf dem Arm, dass nur dürftig in eine dünne Decke gehüllt war und ein Buckliger, der nicht nur von der Last der Jahre gebeugt war, eine alte Frau, die weinend und zitternd um eine Spende bettelte.

Ich zog meine Geldbörse und spendete, wie viele andere auch, den bedauernswerten Geschöpfen. Es gab mir ein gutes Gefühl, von dem was ich mehr hatte, denen die weniger hatten, abgeben zu können. Der dankbare Blick eines Einäugigen ruhte auf mir.

Aber es gab auch Andere, Menschen, die Bratwurst fressend oder an kandierten Äpfeln knabberten oder heiße Maronen pulten und laut schwadronierend an den Ausgestoßenen vorbei liefen.
Mit vorgerückter Stunde wurde es kälter, eine feuchte Kälte kroch an einem hoch und ließ einen frösteln. Ich schlug den Kragen hoch. Die Glühweinstände machten jetzt enorme Umsätze und waren stark umlagert. Einige der Zecher hatten bereits eine schwere Zunge und Schwierigkeiten mit der Artikulation.
Junge Frauen juchzten bei der Karussellfahrt und junge Männer schossen Teddybären mit Luftdruckgewehren für ihre Angebeteten. In der Luft lag ein leichter Duft von gebrannten Mandeln. Ich kaufte eine Tüte und genoss die gezuckerten Köstlichkeiten.

Vor einem Bierzelt gab es Streit. Zwei angesäuselte, junge Männer stritten um die Gunst einer jungen Dame, die scheinbar unbeteiligt daneben stand und vorbeiziehende Besucher beobachtete, während sie an den Fingernägeln kaute.
Meine Hände wurden kalt und ich überlegte sie in die Tasche zu stecken, entschied mich aber für einen Glühwein, in warmer Tasse. Das half sofort, Wärme von innen und von außen. Der Glühwein schmeckte nach Zimt und Nelken und die an der Tasse herab laufenden Tropfen klebten an den Händen.

Die Zeit verging wie im Fluge und ich beschloss heimzugehen.
Vor mir lief eine wohlbekannte Gruppe, scherzend und guter Laune. Der Einäugige hatte die Augenklappe hochgeklappt, um besser sehen zu können und zog an einer Zigarette. Er unterhielt sich angeregt mit dem Buckligen, der, erstaunlicher Weise aufrecht laufen konnte und seinen Buckel unter dem Arm trug. Die Hinkende lief leichtfüßig neben der Gruppe her und plauderte mit der jungen Mutter, die ihr Kind unter dem Arm trug und dass trotz der Lieblosigkeit keinen Mucks von sich gab.

Alle waren guter Laune, vielleicht, weil ihre Zeit der Leiden vorbei war und sie sich jetzt auf den Feierabend freuen konnten - für heute zumindest.  Das konnte man ein wirkliches Wunder nennen .

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